Der Meister des Hafens

So weit das Auge reicht, ragen Segelmaste in den Himmel und zwischen imposanten Yachten schaukeln auch kleine Liebhaberboote im Hafenwasser. Der Sporthafen ist mit 391 Wasser- und 86 Trockenliegeplätzen der größte Hafen, der von der Landeshauptstadt Bregenz verwaltet wird. Für die einen ist er die Poleposition für Stadt- und Seeerkundungen. Für Jürgen ist er sein Arbeitsplatz.

Seit über 15 Jahren ist er mit Leib und Seele Hafenmeister. Ein Traum- und ein Knochenjob. Der See kann launisch und die Winter können hart sein. Es gibt aber auch Tage wie heute, an denen Jürgen von der Sonne begleitet seinen ersten Kontrollgang durch den Hafen macht. „Alles, was wir hier auf dem Wasser sehen, fällt in meine Zuständigkeit.“ Er kümmert sich um die Pflege, die Instandhaltung und die Sicherheit. Er weist Schiffe zu ihren Liegeplätzen, überwacht alle Abläufe und es vergeht kaum ein Tag, an dem sein handwerkliches Geschick nicht gefragt ist.

Und da klopft es auch schon am Hafenmeisterbüro. In einer Schraube hat sich ein Seil verfangen und Jürgen ist die erste Adresse für den Bootsbesitzer. Jürgen verschwindet kurz im Hinterzimmer und schlüpft in seinen Neoprenanzug. Für ihn geht’s auf Tauchstation. „Als Hafenmeister muss man schnell reagieren und Lösungen finden. Für meinen Job gibt’s kein Handbuch, aber das macht’s für mich auch so spannend.“

Im Neopren und auch sonst entspricht Jürgen so gar nicht dem Klischeebild eines routinierten Seebären. Von grauem Bart und weißer Mütze keine Spur. Stattdessen ist Jürgen ein ziemlich lässiger Allrounder, der immer für ein Pläuschchen aufgelegt ist und sofort Hand anlegt, wenn Hilfe gefragt ist. Lieblingsplatz hat er keinen, sagt er. „Ich mag wirklich jede Ecke meines Hafens.“ Bevor es ihn in den Sporthafen verschlagen hat, bereiste Jürgen die Welt, lebte lange Zeit im Ausland. Spricht man heute mit ihm über den Hafen, den See und seinen Job, kriegt man das Gefühl, er ist angekommen, in seinem Hafen.
 

Text: Veronika Mennel