Nader – Zuhause in Bregenz

Als Nader 2016 mit seiner Familie nach Österreich kam, lag ein weiter Weg hinter ihm. Geboren in Afghanistan wuchs er im Iran auf – in einem Land, das seiner Familie kein offizielles Bleiberecht gewährte.

„Wir hatten keine Papiere, durften eigentlich gar nicht dort leben“, erzählt er ruhig. Eine Rückkehr nach Afghanistan war unmöglich, also blieb nur die Flucht nach Europa. Über Wien und Götzis fand die Familie schließlich in Bregenz ein neues Zuhause. Anfangs half ihnen eine andere afghanische Familie, sich zurechtzufinden, und zeigte ihnen den See und die Stadt. Schon damals verliebte sich Nader in die Landschaft von Bregenz. Heute sagt er: „Hier kann ich ganz normal leben, wie ein Mensch. Ohne Angst.“

Arbeit, Integration und neue Chancen

In den ersten Jahren nahm Nader an verschiedenen Integrationstätigkeiten der Landeshauptstadt Bregenz teil – arbeitete als Schulwart, Gärtner oder in der Betreuung älterer Menschen. Er wollte verstehen, wie Österreich funktioniert, wie Menschen hier leben und arbeiten. Diese Aufgaben halfen ihm, nicht nur die Sprache zu üben, sondern auch Kontakte zu knüpfen. Durch die Unterstützung der Stadt und der Caritas fand er schnell seinen Platz.

Seit sieben Jahren arbeitet Nader inzwischen im Hotel Schwärzler – zuerst als Abwäscher, mittlerweile als Küchenhilfe. Seine Kolleg:innen kommen aus aller Welt, und die Arbeit gefällt ihm. „Mein Traum ist es, noch eine Kochlehre zu machen“, sagt er. Nur die Sprache ist noch eine Hürde. Da seine Arbeitszeiten mit den Deutschkursen kollidieren, lernt er selbstständig – mit YouTube-Videos, Geduld und viel Ehrgeiz. Besonders stolz ist er darauf, seit seiner Ankunft ununterbrochen gearbeitet zu haben.

Familie, Alltag und ein Gefühl von Heimat

Mit seiner Familie lebt Nader im Stadtteil Rieden. Er schätzt die kurzen Wege, die gute Anbindung und die Natur direkt vor der Haustüre. Zur Arbeit fährt er täglich mit dem Fahrrad, in sieben Minuten ist er dort. In der Freizeit steht die Familie oft am Fußballplatz Viktoria, wo die Kinder trainieren. Auch das Seebad und der Pfänder sind feste Bestandteile ihres Alltages. „Meine Frau liebt das Wandern“, erzählt er lächelnd. „Sie sagt immer, wenn sie irgendwo bleiben möchte, dann hier in Bregenz.“

Der Hafen, der See und der Pfänder – all das ist für Nader längst mehr als nur Kulisse. Es ist ein Zuhause geworden. In Bregenz hat die Familie das gefunden, wonach sie lange gesucht hat: Sicherheit, Gemeinschaft und ein Gefühl von Zukunft: „Ich wünsche mir, dass wir eines Tages die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen – und dass meine Kinder hier alle Chancen haben, die ich nie hatte.“

Ein besonderer Dank gilt Nawab Osmani, der ehrenamtliche Integrationstätigkeiten leistet und uns im Zuge dessen mit der Sprachbarriere geholfen hat.