„Wenn Du nach Bregenz gehst, komme ich nach“

Scheppach, Würzburg, Leipzig, Quimper und schließlich Bregenz: Mareile Halbritter hat schon an einigen Orten gewohnt. Aus ihrem kleinen Geburtsort zwischen Augsburg und Ulm ist sie zum Studieren nach Würzburg gegangen: Kunstgeschichte, Pädagogik und Spanisch. Die nächste Station war Leipzig, wo sie am Museum der bildenden Künste ein zweijähriges Volontariat als praktische Ausbildung anschloss. Nach einem kurzen Austauschprogramm in der Bretagne suchte und fand sie 2017 einen Job im Kunsthaus Bregenz, pünktlich zu dessen 20. Geburtstag. Seither ist sie in der Kunstvermittlung tätig: „In den ersten Jahren habe ich neben Workshops und Führungen auch viel Buchungen gemacht. Seit Jodok auf der Welt ist, arbeite ich Teilzeit, und meine Aufgaben haben sich ein wenig verändert. Momentan setze ich mich für Barrierefreiheit im KUB ein.“ Sie wollte immer etwas „zwischen Kunst und Mensch machen“, sagt Mareile. „Deswegen passt die Stelle weiterhin perfekt, mich zieht aus Bregenz nichts weg.“

Idealerweise autofrei

Ihre inzwischen fünfte Heimatstadt kennt sie inzwischen sehr gut. Ihre erste Adresse in Bregenz war eine legendäre WG in der Gallusstraße, in der sich Bewohner:innen aus Österreich, Deutschland und Frankreich zusammenfanden. „Ein super Ankommen in Bregenz für junge Leute, die alle hier neu waren und die Stadt erkunden wollten“, ergänzt ihr Partner Philipp Untersteiner. Die vielfältigen Angebote des Vereins „Tankstelle Bregenz“ erleichterten den beiden ebenso das Einleben.

Nach einigen Umzügen innerhalb von Bregenz lebt Mareile nun mit Philipp und Jodok in der Weiherstraße, wo sie die kurzen Wege zum Spielplatz, zum Bahnhof, zur Stadtbibliothek und nicht zuletzt zum KUB schätzt. „Ein autofreies Weiherviertel wäre ein Traum, so hätte es noch eine ganz andere Qualität. Am Ende liegt es an jedem Einzelnen, das umzusetzen. Da müssten wir gleich bei uns selbst anfangen“, sagt Philipp. Über bestehende Carsharing-Angebote gäbe es für die junge Familie weiterhin die Option für Urlaubsreisen mit dem Auto.

Vielfältiges Viertel

Jodok liebt den Hinterhof, in dem er nach Herzenslust spielen kann. In der Straße findet er viele andere Kinder. Im Weiherpark sind zahlreiche Sprachen zu hören, beispielsweise Türkisch, Rumänisch, Serbisch und Chinesisch. Diese Vielfalt gefällt allen drei. Für seine Eltern ist das Honolulu Hotel wie ein zweites Wohnzimmer. „Wir gehen mindestens einmal pro Woche hin, gerade wenn wir Besuch haben“, erzählt Mareile. Den Umgestaltungsplänen des Viertels stehen sie entsprechend skeptisch gegenüber. Philipp hat einen fachkundigen Blick auf Planungs-Themen. Der Architekt, der in Schlanders (Südtirol) zur Welt kam, arbeitet seit sechs Jahren bei Baumschlager Hutter Partners. Zuvor machte er seinen Bachelor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, gefolgt vom Master an der TU Cottbus. 

Aus der deutschen in die Vorarlberger Hauptstadt

Mareile traf er im Jahr 2015 in Berlin zufällig bei einem Treffen auf dem Tempelhofer Feld – die riesige Fläche des ehemaligen Flughafens, die heute als Park und Freizeitfläche genutzt wird. Die Freundeskreise der beiden überschnitten sich, schnell waren die beiden verkuppelt. Mareiles Entscheidung für das KUB gefiel ihm auf Anhieb. „Wenn Du nach Bregenz gehst, komme ich nach“, waren seine Worte. Ein paar Monate zuvor hatte er einen Freund hier besucht und sich dabei auch ein Bild der Vorarlberger Architektur gemacht, die ihn gleich überzeugte. Zudem reizte ihn das ländlichere Umfeld als in Berlin.

Text: Thorsten Bayer