Zwischen Glauben, Begegnung und gelebtem Miteinander

Was verbindet Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen? Für Ralf Stoffers beginnt vieles mit einem offenen Gespräch - oder manchmal auch mit gemeinsamem Essen.

Warum der evangelische Pfarrer der Kreuzkirche am Ölrain auf Begegnung statt Abgrenzung setzt und weshalb Bregenz für ihn eine Stadt der kurzen Wege und des Miteinanders ist.

Eine Oase am Ölrain

Wer die Kreuzkirche am Ölrain besucht, merkt schnell: Hier geht es ruhig zu. Menschen machen Pause auf der Wiese, spazieren mit ihren Hunden oder genießen einfach ein paar Sonnenstrah­len. Für Ralf Stoffers ist genau das etwas Besonderes. „Dieser Ort strahlt eine Ruhe aus, es ist eine Oase“, sagt er. Seit mittlerweile 15 Jahren lebt und arbeitet der evangelische Pfarrer in Bre­genz – angekommen an einem Ort, der für ihn Offenheit, Begegnung und Gemeinschaft verkör­pert. Ursprünglich stammt Ralf Stoffers aus Delmenhorst bei Bremen. Über das Studium der evangelischen Theologie und Soziologie führte ihn sein Weg zunächst nach Marburg, später nach Wien, wo er auch seine Frau kennenlernte. Nach einer weiteren Ausbildungszeit in Kärnten und zehn Jahren am Millstätter See zog es ihn schließlich nach Bregenz. Eine ausgeschriebene Stelle an der Kreuzkirche am Ölrain brachte ihn in die Landeshauptstadt – gewählt von der Gemeinde, ganz demokratisch nach einem „Probepredigen“ und persönlichen Begegnungen.

Begleiter in verschiedenen Lebensphasen

Schon früh faszinierte ihn die Verbindung aus Religion, Geschichte und gesellschaftlichen Fra­gen. Dass er Pfarrer wurde, sei eine Mischung aus Bauch- und Kopfentscheidung gewesen. Heute beschreibt er seine Aufgabe vor allem als Begleitung von Menschen: „Im Idealfall begleite ich Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen mit verschiedenen Angeboten.“ Gespräche, Besuche, Gottesdienste oder Andachten gehören ebenso zu seinem Alltag wie die seelsorgerliche Arbeit. Besonders schätzt er das Vertrauen, das ihm dabei entgegengebracht wird. „Wenn jemand mir die Tür zu seinem Zuhause bzw. zu dem was ihn oder sie beschäftigt, öffnet, ist das ein großes Geschenk“, erzählt er. Oft gehe es darum, Dinge auszusprechen, Sorgen zu teilen oder gemeinsam Perspektiven zu finden. „Im Idealfall verdoppelt sich die Freude, und der Schmerz halbiert sich.“ Dass kein Tag dem anderen gleicht, macht für ihn den besonderen Reiz seines Berufs aus: „Ich darf im ganzen Spektrum des Lebens unterwegs sein - von Neugeborenen bis zu Hochbetagten.“

Kirche und Glaube sind bunt und vielfältig

Dass Menschen unterschiedlich denken, fühlen und glauben, sieht Ralf Stoffers als Bereicherung und Herausforderung zugleich. Seine Gemeinde beschreibt er als offen und liberal. Besonders wichtig ist ihm, dass Kirche Menschen verbindet und niemanden ausschließt. „Nicht die Frage des Geschlechts ist entscheidend, sondern dass zwei Menschen Liebe und Treue versprechen“, sagt er mit Blick auf die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Trauungen in der evangelischen Kir­che. Für ihn steht fest: „Kirche ist bunt, Glaube ist vielfältig.“ Die Bibel versteht er dabei als Schatztruhe – voller Gedanken und Impulse, die Menschen Orientierung geben können. Ein Satz begleitet ihn dabei besonders: „Fürchtet euch nicht!“

Brücken bauen zwischen Konfessionen und Religionen

Diese Offenheit prägt auch sein gesellschaftliches Engagement. Seit Jahren setzt sich Ralf Stof­fers im ökumenischen Gespräch und im interreligiösen Dialog dafür ein, Menschen unterschied­licher Konfessionen und Religionen zusammenzubringen. Frieden, Gerechtigkeit und die Bewah­rung der Schöpfung seien Werte, die Religionen verbinden würden. „Es gibt viel mehr, das uns verbindet als das uns trennt“, ist er überzeugt.

Der Zugang sei oft ganz einfach: gemeinsam essen, reden, feiern. „Wenn man miteinander isst, kommt man miteinander ins Gespräch.“ Wichtig sei dabei, einander zuzuhören und Dinge auch einmal aus der Perspektive des Gegenübers zu betrachten. Denn: „Wir sind alle Menschen, und keiner von uns hat die absolute Wahrheit gepachtet.“

Kurze Wege und ein gutes Miteinander

Auch Bregenz selbst erlebt er als Stadt des Miteinanders. Besonders schätzt er die kurzen Wege, den öffentlichen Verkehr und die zunehmende Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Gleichzeitig wünscht er sich noch mehr Grünräume und schattige Plätze - Orte, an denen Menschen zusam­menkommen können. In seiner Arbeit habe er gelernt, dass Menschen zwar unterschiedlich seien, im Kern aber oft ähnliche Wünsche teilen: Hoffnung, Beheimatung und ein friedliches Mit­einander. Für die Zukunft wünscht er sich deshalb weniger Krisen, mehr Vertrauen ineinander und ein entspannteres gesellschaftliches Grundgefühl.

Was er den Menschen in Bregenz mitgeben möchte? Einen Satz, der ihn selbst begleitet: „Suchet der Stadt Bestes.“ Oder einfacher gesagt: sich füreinander einsetzen, offen bleiben und das Ver­bindende suchen. Denn für Ralf Stoffers beginnt ein gutes Miteinander oft mit etwas ganz Einfa­chem: einem offenen Gespräch.